Das aktuelle WB-Gspröch

Trüffel ernten statt Traktanden studieren

Valentin Arnold trägt lieber Gummi­stiefel als feine Lackschuhe, hat Mühe mit notorischen Langrednern und fiel im Rat mit heiteren Voten auf. Letzte Woche wurde der Bio-Gemüsebauer aus Hüswil aus dem Parlament verabschiedet.

Valentin Arnold kann seinen ersten eigenen Trüffel ernten. Foto zvg
Stephan Weber

2019 wurden Sie dank den Pana­schierstimmen mit 2179 Stimmen in den Kantonsrat gewählt. Mit der Wahl ins Parlament hatten Sie nicht gerechnet.
Ja, ich war überrascht und nicht darauf vorbereitet. Mit Thomas Kummer und Zora Walthert stellten sich eine Willisauerin und ein Willisauer zur Wahl. Ihnen hatte ich die Wahl mehr zugetraut als mir, dem Kandidaten aus «Hüsu».

Im vierten Anlauf klappte es endlich mit Ihrem Einzug ins Parlament. Nun treten Sie trotzdem noch vor Ende der Legislatur zurück. Warum?
Die zeitliche Belastung ist schlicht zu gross. Ich führe einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb und bin Produzent für die Bio-Handelsplattform «Regio-Fair». Zudem kommt nun, acht Jahre nach der Pflanzung der Trüffelbäume, ein neuer Betriebszweig dazu. Das füllt mich mehr als genügend aus. Mit Dreissig hätte ich das noch geschafft, jetzt mit 60 Jahren wurde es zusehends schwieriger.  

Mit Ihrer Wahl holten sie zum ersten Mal seit 2003 für die Grünen wieder einen Kantonsratssitz. Machte Sie das stolz?
Stolz ist das falsche Wort. Ohne Zweifel habe ich auch von der grünen Welle profitiert, welche 2019 die ganze Schweiz erfasste. Die Wahl hat mich deshalb vor allem für die Grünen Willisau gefreut. Damit ging eine 16-jährige Durststrecke endlich zu Ende.

Mit ihren langen Haaren und den Holzfällerhemden fielen Sie rund um die vielen Krawattenträgern auf. Valentin Arnold in Schale: Das hätte nicht gepasst, oder?
Nein. Wobei ich festhalten muss: Holzfällerhemden waren das nicht. Es waren «normale» Hemden. Aber es stimmt: Ich bin kein Krawattenträger. Wäre ein Schlips für die Session Pflicht gewesen, hätten sie mir die Krawatten vermieten müssen (lacht). So wie es eine Zeit lang etwa im Hotel Gütsch Vorschrift war. Ohne Krawatte gab es keinen Zutritt.

Reden wir statt über die Kleidung über den Parlamentsbetrieb: Was haben Sie in den knapp drei Jahren im Kantonsrat erreicht?
Mir waren Landwirtschaftsthemen besonders wichtig. Ein grosser Erfolg war für mich mein erstes Postulat, welches ich im Frühsommer 2019 im Parlament einreichte. Dabei ging es um klimarelevante Themen in der Aus- und Weiterbildung der Landwirtinnen und Landwirte. Wenn ich heute in der «Bauern-Zeitung» lese, dass sämtliche Bildungsexperten sich einig sind, dass diese Themen zur Ausbildung gehören, freut mich das. Wie so häufig haben die Grünen ein Thema angestossen, welches ein paar Jahre später auch von den anderen Parteien aufgenommen wurde. Damals wurde mein Vorstoss nur teilweise erheblich erklärt. Heute ist die Akzeptanz grösser, wenn grüne Sichtweisen angesprochen werden.

Was haben Sie aus der Parlamentszeit besonders gelernt?
Dass Kantonsrätinnen und Kantonsräte auch nur Menschen mit Fehlern und Vorzügen sind und alle ihre Stärken und Schwächen haben. Und nicht zu vergessen: Beim Tastaturschreiben habe ich meine Geschwindigkeit in diesen drei Jahren mehr als verdoppelt.

Gratuliere! Gibt es etwas im Ratsbetrieb, mit dem Sie Mühe hatten, sich zu arrangieren oder über das sie sich grün und blau ärgerten?
Wenn ich für eine 30-minütige Sitzung von «Hüsu» nach Luzern reisen musste, hat mich das geärgert. Und gestört haben mich die notorischen Vielschwätzer, die immerzu die Redezeit überschritten.

Und umgekehrt: Was hat Ihnen gefallen?
Der Umgang unter den Parlamentarierinnen und Parlamentariern war sehr angenehm. Ich habe Menschen kennengelernt, mit denen ich sonst nie zu tun gehabt hätte. Auch der direkte und unkomplizierte Austausch mit den Regierungsräten hat mir gefallen.

«Ich möchte eine Politik der Nachhaltigkeit, nicht eine des ewigen Wachstums verfolgen». Das war eines ihrer Ziele. Ist der Luzerner Kantonsrat diesbezüglich gut unterwegs?
Nicht wirklich. Der Kanton Luzern setzt weiterhin auf Wachstum. Und das zuungunsten der Umwelt. Dieser Entwicklung sehe ich kritisch entgegen. Wir müssen uns gut überlegen, wie fest und wo wir überhaupt noch wachsen sollen.  

«Wenn das Klima noch ein bisschen wärmer wird, haben wir beste Voraussetzungen zur Bananenrepublik», haben Sie im Vorfeld der Kantonsratswahlen beim Porträt in der WB-Wahlzeitung geschrieben. Auch während den Sessionen fielen Sie mit Schalk und witzigen Voten auf. Ist das typisch Valentin Arnold?
Ja, das passt zu mir. Ab und zu ein Spruch lockert den Sessionstag auf. Politik soll schliesslich nicht zu ernst sein und wir sollten uns nicht wichtiger machen, als wir sind: Im ganzen Politsystem sind wir Kantonspolitikerinnen und -politiker nicht mehr als ein kleines Rädchen.

Der Willisauer Thomas Kummer wird Ihre Nachfolge im Rat antreten. Haben Sie einen Ratschlag an ihn?
Ich hoffe, er hat mehr Sitzleder und Ausdauer als ich. Das meine ich auch wörtlich. An einer Session den ganzen Tag zu sitzen, das lag mir nicht. Das war ich mir seit Schulzeiten nicht mehr gewohnt. Und schon damals fiel es mir schwer.

Ein Wunsch zum Schluss.
Nächstes Jahr finden wieder kantonale Wahlen statt. Ich hoffe und bin guter Dinge, dass die Grünen ihren Sitz in Willisau verteidigen und so ihre Themen in die Fraktion und ins Parlament bringen können.

 

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