War ja immer schon so…
Kein Fünkchen Fernweh. Dieses Jahr hatte ich schlicht keine Lust auf Ferien. Die Leute halten mich für verrückt, wenn ich ihnen das gestehe. Früher war das völlig anders: Sobald der Frühling ins Land zog, steigerte sich meine Vorfreude auf Sonne, Süden, Meeresrauschen, frischen Fisch und kühles Bier ins Unermessliche.
Meiner Partnerin zuliebe gab ich mein Ja-Wort für ein Ferienabenteuer. Das Ziel: Cap Ferret. Ein Dorf am Kopf einer kleinen Halbinsel an der französischen Atlantikküste. Und man höre und staune: Die Aussicht auf frische Austern, kühlen Weisswein und die ruckelnde Fahrt im alten VW T4 weckte meine Vorfreude. Der Ferienfrust schien zu schwinden.
Dann kam die Eilmeldung: Waldbrände in der Region Bordeaux. Kurz darauf die Absage unseres Campingplatzes – evakuiert, von einer Anreise wurde uns dringend abgeraten. Hektik am Laptop. Ich klickte mich durch Buchungsportale, um die mühsam gewonnene Ferienstimmung vor den Flammen zu retten. Doch Absage reihte sich an Absage, während das Feuer weiter wütete, erlosch mein letzter Funken Hoffnung.
Während ich nach einer Ferienalternative suchte, tobte im Internet längst ein ganz anderer Schlag-abtausch. Babyboomer schrieben unter Fotos von brennenden Pinienwäldern: «Das gab es früher auch schon!» Millennials und die Generation Z kontern schnippisch: «Genau diese Gleichgültigkeit hat uns erst hierher gebracht!» Und ich? Ich bin zu jung, um die Vergangenheit zu verklären oder als gottgegeben hinzunehmen. Zu alt, um noch ernsthaft zu glauben, dass Facebook-Proteste oder Demo-Aufrufe die Welt retten. Lange fand für mich der Klimawandel vor allem in TV-Dokumentationen und auf abgehobenen UNO-Gipfeln statt. Bis mir die Realität in diesen Tagen die eigene Ferienplanung abfackelte.
Der Klimawandel hat mich gewandelt. Ich werde lernen müssen, mit ihm zu leben. So wie mit höheren Krankenkassenprämien. Mit endlosen Kriegen, nervigen Blick-Schlagzeilen und allerlei verqueren Überzeugungen. Aber ich bin überzeugt: Auch das werde ich überleben. Denn schliesslich war das ja immer schon so …
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