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Kanton

Hausarztpraxen: Pflegeexpertinnen stossen auf Akzeptanz

Im Rahmen eines Pilotprojekts arbeiten vier Pflegeexpertinnen – sogenannte APN, Advanced Practice Nurses – in vier Hausarztpraxen im Kanton. Zwei davon in Willisau und Zell.

Seit Herbst 2024 läuft im Kanton Luzern das Projekt «Integration von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN in die medizinische Grundversorgung». Das Gesundheits- und Sozialdepartement hatte dieses in Auftrag gegeben. Durchgeführt wird es vom Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care der Universität Luzern. Erklärtes Hauptziel ist die «nachhaltige Verankerung» der Advanced Practices Nurses (APN) in der medizinischen Grundversorgung. Nach eineinhalb Jahren Projektlaufzeit lasse sich ein positives Zwischenfazit ziehen, heisst es in einer am Donnerstag von der Staatskanzlei verschickten Medienmitteilung: «Das Luzerner Modell stösst bei allen Beteiligten in Hausarztpraxen, Pflegeheimen und bei anderen Leistungserbringenden auf breite Akzeptanz», wird die kantonale Pflegeverantwortliche Lorena Meier zitiert.

Erfahrungen im Hinterland

Damiano Poncini vom «medici ärztezentrum» in Zell nimmt am Pilotprojekt teil. «Mittlerweile wissen alle, welche Patientengruppen die Pflegeexpertin APN in unserer Hausarztpraxis versorgen kann und welche nicht, was ihr ein selbstständigeres Arbeiten ermöglicht», resümiert er. Zudem würden die Patientinnen und Patienten die Pflegeexpertin APN Vanessa Seydel sehr schätzen. Diese bestätigt: «Patientinnen und Patienten begrüssen meine Rolle und geben positive Rückmeldungen zu meiner Arbeit.» Die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten wiederum finde auf Augenhöhe statt.

Für Elena Viviroli, Pflegeexpertin APN in der Praxis «Hausärzte Willisau», bestehen insbesondere über die Abrechnung der APN-Leistungen noch viele Unklarheiten. Auch deshalb sei das Luzerner Projekt so wichtig, sagt sie. Denn es soll wegweisende Erkenntnisse über die Kosten und den Nutzen eines Einsatzes von APN liefern.

Fachkräftemangel soll 
entschärft werden

Erfreulich ist gemäss Medienmitteilung, dass APN im Kanton Luzern auch ausserhalb des Pilotprojekts vermehrt in hausärztlichen Praxen eingesetzt würden – oder konkrete Pläne dazu bestünden. Dies zeige sich unter anderem an den eingereichten Projektskizzen und Gesuchen im Rahmen des Förderprogramms zur integrierten Gesundheitsversorgung im Kanton.

Das Luzerner Projekt leiste einen wichtigen Beitrag zur Rollenschärfung der APN und Definition des optimalen Tätigkeitsfeldes innerhalb der Grundversorgung, damit APN ihr Potenzial noch besser ausschöpfen könnten, sagt die kantonale Pflegeverantwortliche Lorena Meier. «Das Projekt ist auf gutem Weg, das Hauptziel bis zum Projektende im Dezember 2026 zu erreichen.» 
 

Regierungspräsidentin Michaela Tschuor, Vorsteherin des Gesundheits- und Sozialdepartements, zeigt sich zufrieden: «APN in Hausarztpraxen haben grosses Potenzial», wird sie zitiert. «Indem sie einen Beitrag zur Sicherung der Grundversorgung leisten und indem sie den Fachkräftemangel sowohl im Hausarztbereich als auch im Pflegeberuf entschärfen.» Zudem bestehe die Erwartung, dass durch die Weiterbildung zur APN und deren Integration in die medizinische Versorgung der Pflegeberuf für Fachkräfte noch attraktiver werde.

Einsatz in Pflegeheimen

«Die APN sind gut in den Praxisteams angekommen», resümiert Projektleiterin Thekla Brunkert, sie ist Assistenzprofessorin für Interprofessional Primary Care am Zentrum für Hausarztmedizin und Community Care der Universität Luzern. «Sie führen vielfältige pflegerische und delegierte Aufgaben aus, beispielsweise Sprechstunden in der hausärztlichen Praxis, Hausbesuche oder Pflegeheimvisiten.»

Auch für Pflegeheime sei der Einsatz von APN ein Gewinn, heisst es in der Medienmitteilung weiter. «Sie nehmen sich Zeit, mit den Bewohnenden ins Gespräch zu kommen und können pflegerische wie auch medizinische Herausforderungen aus einer Metaperspektive betrachten», sagt Erika Stutz, Geschäftsleiterin der Residio AG, die in Hochdorf zwei Pflegeheime betreibt. Hier führen APN die Visiten in Delegation der ärztlichen Fachperson durch, besprechen Befunde und Fragen mit den Pflegefachpersonen des Pflegeheims, visitieren die Bewohnenden oder führen körperliche Untersuchungen und medizinaltechnische Verrichtungen wie beispielsweise Blutentnahmen durch. Dazu Erika Stutz: «Die Rolle der APN ist angesichts des demografischen Wandels von zen­tra­ler Bedeutung.» dk./pd


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