WB-Gspröch

Samariterin an vorderster Front

Die Samaritervereine des Kantons wurden um Unterstützung im Luzerner Kantonsspital angefragt. Die Ufhuserin Josy Filliger hat sich freiwillig zum Einsatz gemeldet. Wieso?

Josy Filliger mit einem Nasenabstrich-Test – hier noch nicht in der Schutzkleidung. Foto zvg

Sie ist Samariterin mit Leib und Seele, das merkt man in den ersten Minuten des Telefongesprächs. «Ja, Samariter­sache ist Herzenssache», sagt Josy Filliger. Seit zwölf Jahren wirkt die 37-Jährige im Samariterverein Ufhusen mit, gleich nachdem sie «der Liebe wegen» in die Gemeinde zog. «Es war eine wunderbare Möglichkeit, mich in das Dorfleben zu integrieren», so Filliger. Und: Die Tätigkeit war für die gelernte Hauspflegerin, welche damals im Begegnungszentrums St. Ulrich in Luthern arbeitete, alles andere als fremd. «Aber man hat nie ausgelernt.» Einmal im Monat treffen sich die 17 Mitglieder für eine Übung. Als Kursleiterin und Samariterlehrerin verfügt die dreifache Mutter heute über ein vielfältiges Samariter-Wissen. Ihr, die sich aktiv im Vereinsleben des Dorfes engagiert, gebe dieses Wissen Sicherheit. «Ich will wenn nötig Erste Hilfe leisten können.»

Covid-19-Test durchführen
Josy Filliger hat sich angesteckt. Nicht mit dem Corona- sondern mit dem Helfervirus. Als sie im E-Mail des Samariterverbands las, das man Helfer für einen Spitaleinsatz sucht, war für sie sofort klar: «Wenn es irgendwie geht, will auch ich Einsätze leisten.» Nach Absprache mit Mann, Kindern und Samariter-Kollegen habe sie sich per E-Mail gemeldet. Nicht ganz ohne Herzklopfen: «Anfangs hatte ich schon etwas Respekt, ich könnte mich selbst anstecken.» Doch diese Angst hat sich schnell verflüchtigt. «Der Schutz ist mit Schutzmantel, Handschuhen, Schutzbrille und Mundschutz absolut gewährleistet.» Die Massnahmen sind nötig, schliesslich ist Filliger an vorderster Front: Sie nimmt Nasen-Rachen-Abstriche bei Patienten und leitet diese weiter ans Labor. Dabei arbeitet sie Hand in Hand mit dem Militär und dem Spitalfachpersonal im sogenannten «Fast Track», einem separaten Nebengebäude des Kantonspitals Luzern, in dem der Covid-19-Test durchgeführt wird. «Zu uns kommen Verdachtspersonen, die sich bei der Hotline gemeldet haben und nach dieser Vorabklärung zum Test aufgeboten werden», erklärt Josy Filliger. Insgesamt vier Mal kam sie bis jetzt bereits zum Einsatz – einmal auch zur Bewachung und Abgabe der begehrten Schutzmasken. «Für mich ist natürlich vieles neu, doch auch sehr lehrreich. Eine tolle Erfahrung!» Spannend sei es auch, sich mit den anderen Einsatzkräften vor Ort auszutauschen und neue Bekanntschaften zu schliessen. «Es ist schön zu sehen, wie alle alle unterstützen, unabhängig von Rang und Aufgabenzuteilung.» Vom Securitas zum Chefarzt: «Es wird einmal mehr deutlich: In der Krise braucht es alle, jede Stufe.»

Ein Zeichen setzen
Für ihren Einsatz im Spital wird Josy Filliger entschädigt. «Aber wegen dem Geld mache ich das nicht.» Dieses zeige aber die professionelle Wertschätzung. «Vorallem braucht es jedoch Herzblut dafür.» Herzblut, das geschätzt wird. «Ich spüre die Dankbarkeit, die mir für meinen Einsatz entgegengebracht wird.» Josy Filliger hofft, damit auch ein Zeichen für das gesamte Samariterwesen zu setzen. «Ich will zeigen, dass es uns Samariter braucht!»

Chantal Bossard

Der wichtige Einsatz von Samaritern

Samariterinnen und Samariter helfen in der Coronakrise in verschiedenen Bereichen. Sie unterstützen die kantonalen oder kommunalen Behörden und Gesundheitseinrichtungen wie Spitex oder Spitäler und führen – wie Josy Filliger – unter Aufsicht von Fachpersonal auch Corona-Tests durch. Des Weiteren sind Samariterinnen und Samariter für Personen da, die in Isolation leben und auf fremde Hilfe angewiesen sind.

1623 Stunden auf 204 Köpfe verteilt
Am 13. März wurden alle Samaritervereine des Kanton Luzerns angefragt für eine Unterstützung am Luzerner Kantonsspital. Seit dem 16. März bis 30. April waren die Luzerner Samariterinnen und Samariter während 1623 Stunden im Einsatz auf 204 Köpfe verteilt. Im ganzen Kanton meldeten sich rund 80 Samariter, welche die Ausbildung für den Sanitätsdienst haben, für diesen freiwilligen Einsatz. Der Infektiologe am Standort Luzern benötigte rund um die Uhr zwei Samariter zur Mithilfe. Bis Mitte April waren so jeden Tag sechs Samariter aktiv in Luzern. Die zum Glück in Luzern nicht eingetroffene Überbelastung führte dazu, dass ab dann nur noch je ein Samariter in der Tages- und einer in der Spätschicht im Einsatz ist.

In jeder Situation einsatzbereit
«Es macht mich äusserst stolz mitzuerleben, wie sich die Samariterinnen und Samariter für Einsätze melden und wie agil sie vor Ort sein können», sagt Ingrid Oehen, Leiterin Ausbildung am LUKS und Zentralpräsidentin des Schweizerischen Samariterbundes, auf WB-Anfrage. Sie ist überzeugt: «Ohne diesen Einsatz in erster Stunde der Pandemiephase hätte das Luzerner Kantonsspital nicht in diesem Tempo die jetzt vorhanden Leistung aufbauen können.» Dem kantonalen Krisenstab zeige dieser Einsatz zudem auf, dass die Samariter verlässliche Partner für Erste Hilfe und Lebensrettung sind – in jeder Situation einsatzbereit. «Ich erhoffe mir, dass nach der Pandemie­phase der Kanton Luzern mit den Luzerner Samaritern einen Leistungsauftrag erstellt», so Oehen. Ihre Wertschätzung gegenüber den Samariterinnen und Samaritern gibt sie wöchentlich kund: «Immer Ende Woche habe ich im Auftrag des Luzerner Kantonsspitals den im Einsatz gewesenen Samariterinnen und Samaritern per E-Mail geschrieben, habe ihnen die Entwicklung der Pandemieauswirkung für unseren Betrieb beschrieben und ihnen mitgeteilt, welche wichtige Rolle sie für uns hier einnehmen.» Neben dem persönlichen Dankeschön erhalten die Samariterinnen und Samariter eine Stundenentschädigung, welche das Luzerner Kantonsspital direkt ausbezahlt.

Ein fester Bestandteil der gemeinnützigen Schweiz
Der Schweizerische Samariterbund mit seinen mehr als 20 000 Erwachsenen- und rund 4000 Jugend-Mitgliedern besteht seit 1888 und ist in dieser Zeit «ein fester Bestandteil der gemeinnützigen Schweiz geworden», wie der Samariterbund auf der Website festhält. Samariterinnen und Samariter erteilen qualitativ hochstehende Kurse in Erster Hilfe. Jährlich absolvieren so rund 10 000 junge Männer und Frauen pro Jahr ihren Nothilfekurs und auch Eltern und Berufstätige werden von Samariterinnen und Samaritern in spezifischer Erster Hilfe ausgebildet. An unzähligen Anlässen sorgen zudem Samariterinnen und Samariter in Zusammenarbeit mit Partnern für die Sicherheit von Sportanlässen, Festivals und anderen Grossveranstaltungen. Diese Leistungen werden grösstenteils im Milizsystem erbracht.

Chantal Bossard

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