Liebe trägt, wenn der Körper nicht mehr kann

Zwischen ihren Blumen auf dem Balkon findet Heidi Mosimann Ruhe und Kraft.
Foto zvg
Heidi Mosimann lebt mit Fibromyalgie – einer Krankheit, die den Körper täglich an seine Grenzen bringt. Was machen chronische Schmerzen, Erschöpfung und Schlaflosigkeit mit einem Leben und einer Ehe?
Es gibt Tage, an denen schon das Aufstehen Kraft kostet. Nicht weil Heidi Mosimann schlecht geschlafen hätte – obwohl auch das oft vorkommt. Sondern weil ihr Körper schmerzt, bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Muskeln, Gelenke, Rücken. Die Schmerzen wandern, kommen und gehen, manchmal ohne erkennbaren Grund. Dazu eine Müdigkeit, die sich auch nach einer langen Nacht nicht abschütteln lässt.
Als die Krankheit einen Namen bekam
Fibromyalgie lautet die Diagnose. Eine chronische Erkrankung, die von aussen kaum sichtbar ist und das Leben dennoch grundlegend verändert.
Wie sehr, zeigt sich nicht nur im Alltag der 65-jährigen Willisauerin, sondern auch in ihrer Ehe. Chronische Schmerzen betreffen selten nur jene Person, die sie hat. Sie verändern den Alltag einer ganzen Partnerschaft. Gewohnheiten verschieben sich, Pläne werden unsicher und Selbstverständlichkeiten plötzlich kostbar.
Als Heidi Mosimann vor rund 15 Jahren endlich erfuhr, was hinter ihren Beschwerden steckt, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Zwar ist die Fibromyalgie bis heute nicht heilbar, aber endlich hatte das, was sie seit Jahren spürte, einen Namen. «Ich war einfach froh, dass ich wusste, was ich habe», sagt sie. Zuvor habe sie oft das Gefühl gehabt, sich rechtfertigen zu müssen. «Man dachte manchmal einfach, ich wolle nicht.» Dabei habe sie gearbeitet und versucht, ihren Alltag möglichst normal zu bewältigen. Die Schmerzen seien trotzdem geblieben. Dazu diese ständige Erschöpfung, dieses Gefühl, wie benebelt zu sein. «Und weil man einem die Krankheit nicht ansieht, glaubt sie einem oft niemand.» Umso wichtiger sei die Unterstützung ihres Mannes Fritz gewesen. Er habe ihre Beschwerden nie heruntergespielt und nie daran gezweifelt, dass sie wirklich Schmerzen habe. «Er glaubt mir einfach», sagt sie. Mehrmals betont sie diesen Satz im Gespräch.
Auf den Körper hören, Grenzen akzeptieren
Seit 41 Jahren sind Heidi und Fritz Mosimann verheiratet. Die Krankheit habe vieles verändert. Ferien lassen sich kaum mehr langfristig planen, Verabredungen müssen manchmal kurzfristig abgesagt werden. «Das tut weh.» Nicht nur körperlich. Mit der Zeit habe sie lernen müssen, Grenzen zu akzeptieren. «Ich muss auf meinen Körper hören. Es nützt niemandem, wenn ich über meine Kräfte gehe.» An schlechten Tagen führt sie manchmal sogar Selbstgespräche. «Du dumme Fibromyalgie», sage sie dann. «Ich bin stärker als du. Du kannst mich nicht immer plagen.» Sie sagt das mit einem Lachen. So, als wolle sie der Krankheit nicht das letzte Wort überlassen.
Füreinander da sein, in guten wie in schlechten Tagen
Getragen fühlt sie sich nicht nur von ihrem Mann. Auch ihre Familie gebe ihr Halt. «Ich habe sechs Schwestern. Von ihnen bekomme ich unglaublich viel Kraft.» Hilfe anzunehmen, habe sie erst lernen müssen. Heute sei sie überzeugt: «Man ist nie allein.»
Auch Fritz Mosimann blieben gesundheitliche Rückschläge nicht erspart. Mehrere Operationen musste er über sich ergehen lassen. «Wenn es ihm schlecht geht, bin ich für ihn da. Und wenn es mir schlecht geht, ist er für mich da. So sollte es doch sein.» Es seien oft die kleinen Gesten, die ihr besonders viel bedeuteten. Wenn ihr Mann merke, dass ihre Kräfte nachliessen, sage er manchmal nur: «Komm, leg dich jetzt etwas hin.» Dieses gegenseitige Verständnis sei mit den Jahren gewachsen. Es habe Zeiten gegeben, in denen sie kaum mehr Hoffnung gehabt habe, sagt Heidi Mosimann offen. Die Schmerzen hätten sie zermürbt. «Ohne meinen Mann wäre ich heute nicht mehr hier.» Dass er immer an ihrer Seite geblieben sei, habe ihr die Kraft gegeben weiterzumachen.

Heidi Mosimann mit ihrem Mann Fritz Mosimann.
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Ein Strauss Edelweiss als Dankeschön
Trotz allem gebe es sie, die guten Tage. Dann wird gejasst – gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter. Oder jeder widmet sich dem, was ihm Freude bereitet. Fritz liest Zeitung, während Heidi auf dem Balkon zwischen ihren Blumen sitzt. «Es muss nicht immer alles gemeinsam sein. Jeder soll auch das machen können, was ihm guttut.»
Was eine gute Ehe für sie ausmache? Darüber müsse sie nicht lange nachdenken, so Heidi Mosimann. Ehrlichkeit, füreinander da sein und den anderen Ernst nehmen. «Die Liebe trägt mich durchs Leben», sagt sie. Im Rahmen der Sommerserie «Alles Liebe» möchte der Willisauer Bote genau diese Liebe würdigen. So soll ihr Mann einen Strauss Edelweiss erhalten – seine Lieblingsblumen. Als kleines Dankeschön für all die Jahre, in denen er ihr zur Seite gestanden ist.

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