Heute erscheint das Jubiläums-Album von «Heimweh»

Zehn Jahre «Heimweh»: Die Männerformation bringt zum Jubiläum das Album «Fründschaft» heraus. Hier ist die Stammformation zu sehen.
Fotos zvg
Zum zehnten «Heimweh»-Jubiläum erscheint heute das Album «Fründschaft». Der Nebiker Patrick «Hoschi» Hofstetter erzählt, was zehn Jahre auf der Bühne mit einer Männerfreundschaft machen und warum er heute lieber heimkommt als früher.
Patrick Hofstetter, wann haben Sie zuletzt gedacht: «Wow, was ist aus Heimweh eigentlich geworden?»
Das war tatsächlich erst kürzlich. Als die KKL-Geschichte für diesen Herbst aufgegleist wurde und innerhalb von sieben Minuten das dritte Konzert ausverkauft war. Der Ticketcorner ist zeitweise sogar zusammengebrochen. Auch das vierte Konzert war nach fünf Minuten ausverkauft. Das war schon ein Rockstar-Moment. Ich wollte noch zwei Billette für Verwandte kaufen und bekam fast keine mehr. Unser Chatverlauf in der «Heimweh»-Gruppe ist völlig explodiert. Da realisiert man schon: Das ist verrückt.
Und dann gibt es noch einen zweiten Ort, an dem Sie diesen Gedanken vermutlich hatten: das Heitere Open Air.
Richtig. Seit ich 16 Jahre alt bin, gehe ich ans Heitere Open Air. Teilweise eine ganze Woche, ich habe dafür jeweils Ferien genommen. Und plötzlich standen wir selber auf dieser Bühne und hatten ein ausverkauftes Konzert mit rund 8000 Leuten. Wenn alle mitsingen, dann ist das schon ein Moment, in dem das Herz schneller schlägt.
Heute erscheint nun das zehnte «Heimweh»-Album. Es heisst «Fründschaft». Passt dieser Titel zu dem, was in diesen zehn Jahren entstanden ist?
Sehr sogar. Wenn ich auf die zehn Jahre zurückblicke, denke ich zuerst an all die Freundschaften, die entstanden sind. Und das nicht nur innerhalb der Formation. Man lernt unglaublich viele Menschen kennen – auf der Fanseite genauso wie unter Musikerinnen und Musikern. Viele dieser Bekanntschaften und Freundschaften begleiten einen über Jahre.
Zwölf Männer, zehn Jahre, unzählige Proben, Aufnahmen, Reisen und Konzerte. Was muss eine Männerfreundschaft aushalten können, damit sie so lange funktioniert?
Es braucht viel Ehrlichkeit. Man muss Kritik entgegennehmen können. Wir haben es wunderbar miteinander. Nach einem Konzert sitzen wir zusammen, «nähmid eis», reden über Gott und die Welt. Wir kennen uns mittlerweile wirklich gut, auch privat. So können wir auch mal Uneinigkeiten ausdiskutieren, ganz sachlich.
Also setzt sich am Ende nicht der Lauteste durch?
Nein, zum Glück nicht. (lacht) Das wäre auf Dauer vermutlich auch nicht sehr gesund. Wir sind alle auf einer Augenhöhe und hören einander zu. Ich habe zu jedem einen guten Draht.
Sie waren 2018 noch der Neue und jüngste Sänger. Heute sind Sie ein fester Bestandteil der Stammformation. Was hat sich verändert?
Am Anfang habe ich mich eher zurückgehalten. Inzwischen wissen die anderen auch, dass ich gerne in den Ausgang gehe und dann auch etwas länger bleibe. (lacht) Bei mir gibt es keine halben Sachen. Ich bin ein geselliger Typ und gerne unter Leuten.
Ihre Kollegen kennen also inzwischen auch die verlängerte Version von Hoschi.
Genau. (lacht) Das gehört offenbar auch zu zehn Jahren Freundschaft.
2018 sagten Sie über «Heimweh»: «Die Leute verstehen uns». Ist das nach zehn Jahren immer noch das Erfolgsrezept?
Das ist das A und O. Die Leute sollen sich in unseren Liedern wiederfinden. Wir singen «buuredütsch», das verstehen alle. Unser Publikum ist bunt durchmischt, von jung bis alt. Ich habe oft das Gefühl: Die Leute sehen sich selbst in unseren Liedern.

Der Männerchor Heimweh macht Musik, welche in der Tradition verankert ist.
Was suchen sie dort?
Vielleicht ein Stück Geborgenheit. Die Welt ist heute mit allem Möglichen überflutet – mit sozialen Medien, Nachrichten, Weltgeschehen. Man schaut die Tagesschau und sieht nicht unbedingt nur schöne Dinge. Dann sucht man vielleicht vor der eigenen Haustür nach etwas, das einem guttut. Etwas Vertrautes. Unsere eigene Sprache, unsere Musik, unsere Tradition. Auch das Jodeln findet einen riesigen Anklang. Und zeigt: Es muss nicht immer alles «weiss de Gogger woher» kommen. Die Menschen haben Freude daran, wenn sie etwas verstehen und sich darin wiederfinden.
Das klingt ziemlich genau nach jenem Satz, den Sie schon mal in einem Interview gesagt haben: «Die Leute gehen zurück zu ihren Wurzeln.»
Ja, ich glaube, das ist heute vielleicht sogar noch stärker der Fall. Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit. Da tut es gut, wenn man etwas hat, das einem vertraut ist.
Was ist das Besondere daran, wenn Sie bei «Heimweh» ein Solostück singen?
Es ist jedes Mal eine Ehre. Wenn ich ein Lied alleine singe, tauche ich richtig in meine eigene Welt ein. Ich setze mich sehr stark mit den Songs auseinander, gerade wenn wir auf Tour gehen. Ich übe viel. Und meist alleine: Wir haben nicht ständig gemeinsame Proben, wie man sich das bei einem klassischen Männerchor vorstellt. Wir müssen unsere Stimmen zu Hause selber üben. Dann treffen wir uns an einem Probeweekend und fügen alles zusammen. Das ist fast wie eine Heirat. (lacht) Plötzlich hat man alle Stimmen im Ohr. Am Anfang kann einen das sogar etwas verwirren. Und dann merkt man: Jetzt beginnt es zu harmonieren. Das ist magisch.
Und genau dieses Zusammenspiel feiern Sie nun mit dem Jubiläumsalbum «Fründschaft». Haben Sie beim Aufnehmen bewusst auf die vergangenen zehn Jahre zurückgeschaut?
Eigentlich ist es jedes Mal wieder ein neues Kapitel für sich. Wir haben neun neue Songs gemacht. Aber diesmal haben wir auch unser erstes Lied, «Rosmarie», noch einmal in einer speziellen Form aufgenommen. Dadurch gibt es eine Verbindung zurück zum Anfang.

Seit Beginn seiner Karriere hat sich bei Patrick Hofstetter einiges getan: Inzwischen ist der Nebiker Ehemann und Vater.
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Zehn Jahre «Heimweh» bedeuten aber nicht nur Bühne und Erfolg. Ihr eigenes Leben hat sich ebenfalls ziemlich verändert. Mittlerweile sind sie Vater und Ehemann. 2018 sagten Sie: «Heimweh habe ich nie.» Gilt das noch?
Nein, das hat sich ganz stark verändert. Ich gehe immer noch gerne weg und liebe das Unterwegssein. Früher war ich wie auf der Flucht: Wenn ich gegangen bin, wollte ich möglichst lange wegbleiben. Heute ist es umgekehrt. Ich bin gerne unterwegs, aber es zieht mich schnell wieder nach Hause. Mit meiner Familie hat «Daheim» für mich eine ganz andere Bedeutung bekommen. Es ist schön, nach einer Tour die Haustür aufzuschliessen und wieder heimzukommen ...
...wo sie freudig erwartet werden?
Ja. Mein Sohn ist zwei Jahre alt. Er kommt manchmal an eine Vorprobe und sitzt dann im Publikum. Er will meine Musik hören. Ich finde es schön, dass er auch weiss, wohin Papa geht und was Papa macht.
Welches Lied kennt er am besten?
«Ech ha di gärn». Das hört er immer wieder. Auch das Video findet er toll. Wenn wir schlafen gehen, sagen wir ihm immer: «Ech ha di gärn.» Das ist natürlich schön, wenn dann plötzlich ein Lied, das ich singe, auch zu unserem Familienalltag gehört.
Gibt es nach zehn Jahren noch einen Traum, den Sie mit «Heimweh» haben?
Natürlich. Träume sind wichtig. Sie spornen einen an. Das «Moon&Stars» wäre vielleicht noch etwas. Oder einmal das Hallenstadion. Das wäre erste Sahne. Ich hoffe, dass es nicht nur Träume bleiben.

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