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Seit 48 Jahren für Nebikon im Einsatz

Sie prägte mit ihrem Engagement das Leben in der Gemeinde: Barbara Müller. Nun tritt sie kürzer. Zeit für einen Rückblick auf rund ein halbes Jahrhundert Einsatz für verschiedene Vereine, die Gemeinde und die Kirche.

Thomas Conrad

140 Jahre. So lange war Barbara Müller in «ihrem» Dorf Nebikon für verschiedene Organisationen tätig. 140? Ja, richtig gelesen. 30 Jahre Lektorin, 30 Jahre Liturgiegruppe, 23 Jahre Ludothek, 18 Jahre Kreis jünger Mutter und Frauenverein, 15 Jahre Spurgruppe, 12 Jahre Kirchmeierin und 12 Jahre Verein Aktiv60plus. Macht insgesamt eben diese 140 Jahre. Das ist aber noch nicht alles. Barbara Müllers Tätigkeit in Kommissionen ist nicht miteingerechnet. «Ich kann einfach schlecht Nein sagen und bin zudem sehr spontan», sagt die inzwischen 75-Jährige und schmunzelt. Diese Eigenschaften führten mit den Jahren zu diversen Zusagen für Mitgliedschaften und Ämtli in unterschiedlichen Organisationen. Zudem habe sie immer wieder den Reiz verspürt, etwas Neues anzupacken und Einblicke in verschiedene Bereiche des Lebens zu gewinnen.

Arbeit für und mit Frauen

Ob als Präsidentin des Frauenvereins, Mitgründerin der Ludothek oder Mitglied bei der Kommission für Altersfragen: Barbara Müller tanzte jahrzehntelang auf mehreren Hochzeiten. «Das hat mich zwar gefordert, aber nicht überfordert.» Denn bereut habe sie bis heute überhaupt nichts. «Ich konnte von jedem Engagement profitieren und etwas fürs Leben lernen.» Konkret: Der Umgang mit Menschen aller Altersklassen, die Finanzen einer (Kirch-)Gemeinde, die Gründung eines Vereins, die Organisation von Anlässen... «Die Liste wäre noch deutlich länger.»

Angefangen hat alles im Jahr 1977. Drei Jahre, nachdem Barbara Müller nach Nebikon zügelte. Die damals 27-Jährige gründete zusammen mit drei Mitgliedern aus dem Frauenverein die Gruppierung «Kreis junger Mütter». Ihr erstes Engagement in der Gemeinde war auf Kinder im Vorschulalter ausgerichtet und beinhaltete Angebote wie das Mutter-Kind-Turnen oder der Kinderhort. Bald darauf schloss sich Barbara Müller auch dem Frauenverein an, wo sie im Vorstand und als Präsidentin tätig war. Als eine der grössten Errungenschaften dieser Zeit bezeichnet sie den Zusammenschluss des reformierten mit dem katholischen Frauenverein. Ein jahrelanger Prozess, bei dem sie aktiv mitgewirkt habe und der nur dank Unterstützung aller Beteiligten und des kantonalen Frauenbundes realisierbar gewesen sei. «Im Zentrum unseres Vereinslebens stand nicht der Glaube, sondern die Gemeinschaft», sagt Barbara Müller. Offen sein für Neues und eine Vielfalt von Aktivitäten anbieten: diese Ziele waren ihr wichtig in ihrer Funktion. Arbeit für und mit Frauen nennt sie das.

Kirche, Ludothek und Alter

Für die Menschen da sein: Dieses Credo passt auch zur Kirche, für die sich Barbara Müller viele Jahre als Kirchmeierin und Mitglied der Spurgruppe eingesetzt hat. Sie habe in diesen Positionen viel gelernt und kleine Erfolge wie beispielsweise die Erneuerung des Pfrundhauses in Altishofen gefeiert. «Die Kirche nimmt in der Bevölkerung eine wichtige Rolle ein», findet die sporadische Gottesdienstbesucherin. Als Beispiele führt sie die Betreuung von benachteiligten Personen sowie die Unterstützung der Jugend an. Gerade das 50-Jahr-Jubiläum der Pfarrei Nebikon 2018 sei ihr als Paradebeispiel für den Wert der Kirche aus ihrer Sicht in Erinnerung geblieben. Dabei plante das Organisationskomitee – dem auch Barbara Müller angehörte – jeden Monat einen Anlass für die Bevölkerung. «Genau das ist Kirche.» Sagt es und fügt hinzu: «Ohne sie müssten die Gemeinden noch mehr Verantwortung tragen.»

Stichwort Verantwortung: Dieser hat sich Barbara Müller bei ihren vielseitigen Tätigkeiten nie entzogen. Auch nicht bei der Ludothek. Die Idee für dessen Gründung hatte sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen vom Vorstand des Frauenvereins. «Es gab damals kein ähnliches Angebot in unserer Region, womit der Bedarf gegeben war.» Das Ziel des neuen Projektes: Familien eine Möglichkeit bieten, zu einem günstigen Preis Spiele zu mieten. Wertvolle Inputs lieferte der Verband der Schweizer Ludotheken. «Um die Finanzierung des Projektes sicherstellen zu können, haben wir unter anderem Ostereier bemalt und verkauft», sagt Barbara Müller. Ein von der Gemeinde zur Verfügung gestellter Raum und ein finanzieller Beitrag sorgten mitunter dafür, dass vor 40 Jahren die Ludothek Schnäggehuus erstmals ihre Türen für Jung und Alt öffnete. Zum Start wartete bereits eine Auswahl von über 150 Spielen auf die Besucherinnen und Besucher. Inzwischen ist das «Schnäggehuus» 40 Jahre alt und hat gemäss Barbara Müller das Angebot massiv aufgestockt. Sie selber hatte sich nach 23 Jahren Einsatz aus dem Team 
zurückgezogen.

Mit dabei ist Barbara Müller hingegen noch bei der Kommission für Altersfragen. «Das Thema Alter war mir schon immer ein grosses Anliegen», sagt die 75-Jährige. Insbesondere bei der Überarbeitung des Altersleitbildes für die Gemeinde Nebikon habe sie tatkräftig mitgeholfen. Ein wichtiger Bestandteil daraus seien die Alterswohnungen oder auch der Generationenplatz. Für die ältere Bevölkerung sei die Umsetzung dieser Projekte sehr wichtig. «Die Themen liegen beim zuständigen Gemeinderat auf dem Tisch und ich hoffe, dass es bald einen Schritt weiter geht.» Unterstützung findet die Kommission bei diesen Vorhaben von Aktiv60plus.

Aktivitäten und Berichte

Aktiv60plus ist ein Verein für Personen im «Herbst des Lebens», die Gesellschaft schätzen und aktiv bleiben wollen. Dies entspricht exakt dem Weg, den Barbara Müller als aktuelle Präsidentin des Vereins zusammen mit den Mitgliedern eingeschlagen hat. «Wir organisieren abwechslungsreiche Aktivitäten und fördern durch Bewegung die physische und psychische Gesundheit der Mitglieder.» Letztere werde besonders auch durch Freundschaften gestärkt. Der Verein biete viele Gefässe, um Kontakte zu knüpfen und den gegenseitigen Austausch zu pflegen. «Jede ältere Person, die wir von Einsamkeit befreien können, macht uns glücklich», sagt Barbara Müller und lächelt. Davon könne sie selber natürlich auch profitieren. Sie nennt ein weiteres Ziel ihrer Arbeit im Vorstand: Nachhaltige Inputs geben bezüglich Bewegungsideen für den Alltag. Ein Ausflug mit den Mitgliedern von Aktiv60plus ist für Barbara Müller jedoch erst abgeschlossen, wenn sie dar­über einen kurzen Bericht mit Foto für den Willisauer Boten verfasst hat. Seit Jahren liefert sie regelmässig Texte. «Ich mag es, zu schreiben und die Leute über unsere Aktivitäten auf dem Laufenden zu halten.»

Erholung und Familie

Barbara Müller. Eine Frau, die vor Energie und Ideen nur so strotzt, wie das Gespräch über ihre zahlreichen Tätigkeiten zeigt. Oder? «Na ja, die tollen Ideen kommen eher von aussen, ich selber bin nicht so kreativ», gibt sie unumwunden zu. Energie jedoch, die scheint sie unbegrenzt zu haben. Was macht sie, wenn der Energiespeicher leer ist? «Das kommt gar nicht so oft vor, ich habe schon seit Geburt viele Körner im Tank.» Und wenn dann doch mal Erholung angesagt ist, bewegt sie sich gerne in der Natur beim Velofahren oder Wandern. Oder sie setzt sich gemütlich auf die Couch und stöbert in einem spannenden Buch. Gemeinsam mit ihrem Mann Ruedi einen Film geniessen oder am Computer Solitär spielen: Auch so könne sie wunderbar abschalten und auf andere Gedanken kommen.

Letzteres ermögliche ihr auch die eigene Familie. «Meine drei Kinder und mein Mann sind mir sehr wichtig.» Trotz ihren zahlreichen Engagements für die Gemeinde und verschiedene Vereine seien ihre Liebsten nicht zu kurz gekommen. «Jede Stunde, die ich mit ihnen verbringen durfte, gab mir Kraft und erfüllte mich mit Liebe.» Und wenn sie zwischendurch abends nicht zu Hause sein konnte, habe ihr Mann den Haushalt «geschmissen» und sich um die Kinder gekümmert. Er sei die perfekte Ergänzung an ihrer Seite. «Ohne ihn hätte ich das alles nicht geschafft. Er hat mir stets den Rücken freigehalten und mich unterstützt, wo es möglich war.» Dank ihm habe die gelernte Hausbeamtin (heute hauswirtschaftliche Betriebsleiterin) den Spagat von Beruf und Freizeit stets gut gemeistert und für jedes Projekt aufs Neue Motivation gefunden. Ihr Geheimrezept ist ganz simpel: «Mit Freude dabei sein.»

LINK ZUM VIDEO: https://www.facebook.com/reel/1419615399102873

Wertschätzung und Zukunft

Die Lebensgeschichte der Nebikerin Barbara Müller ist unweigerlich geprägt von unzähligen Treffen mit Menschen von Jung bis Alt, die viele schöne Momente bereithalten, aber auch Konfliktpotenzial. «Ich begegne allen meinen Mitmenschen auf Augenhöhe und mit grosser Wertschätzung», sagt sie zu ihrem sozialen Umgang. Vor allem das Positive zu sehen und nicht nur Kritik zu üben helfe, das Gegenüber zu akzeptieren und die Menschen für die eigenen Anliegen zu gewinnen.

Dieses Konzept wird Barbara Müller auch in Zukunft pflegen. Ebenso wie das Ausüben von vielen Aktivitäten. Auch wenn sie im Alter von 75 Jahren nun kürzer getreten ist und einige ihrer Tätigkeiten beendet hat oder bald beenden wird. Ihre Aufgaben als Lektorin, Mitglied der Kommission für Altersfragen und Präsidentin von Aktiv60plus möchte sie allesamt in den nächsten Jahren übergeben. «Ich bin aber gerne weiterhin Mitglied von Aktiv60plus und bei den Anlässen mit am Start.» Alles andere würde auch nicht zu Barbara Müller passen, denn: «Ruhig sitzen kann ich nicht so gut.» So hat sie nun mehr Zeit für ihre Hobbys und Enkel. Ob sie keinen Respekt vor Langeweile oder Tristesse hat? «Nein.» Stattdessen wird sie wohl das bleiben, was sie immer war: Aktiv und lebens lustig.


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