Das Glück trägt mitunter schwarz

Gerade rund um Neujahr werden sie immer wieder auf ihre Rolle als Glücksbringer angesprochen: Kaminfegermeister Flavio Geiser (4.v.l) mit seinen vier Mitarbeitern Dominic Erismann, Herbert Zemp, Kilian Pfister und Martin Zemp (v.l.).
Foto Stefan Bossart
Wer kein Pech im Ofenrohr hat, hat Glück: Kaminfeger wie Flavio Geiser lassen Hausbesitzer ruhig schlafen. Die Branche selbst aber kann sich nicht zurücklehnen. Das traditionelle Berufsbild verändert sich rasant.
Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dieses Sprichwort ist in aller Munde und gilt insbesondere für den Brennraum einer Holz-, Pellet- und Ölheizung. Feuchtes Brenngut, eine zu niedrige Betriebstemperatur oder eine zu geringe Sauerstoffzufuhr können zu ungewolltem Glanz in russgeschwärzten Anlagen führen: Pech, welches Kaminfeger entfernen, die deshalb seit dem Mittelalter als Glücksbringer gelten. Mit Grund. Eng aneinandergebaute Häuser führten bei einem Brand dazu, dass ein kleines Feuer letztlich ein ganzes Dorf in Schutt und Asche legen konnte. Die Menschen erkannten schnell: Die regelmässige Reinigung der Kamine und Öfen vermeidet solche Katastrophen. Eine gut gewartete Heizung aktiviert zudem den Glücksnerv hinten rechts. Denn obwohl nach dem Besuch des Kaminfegers eine Rechnung ins Haus flattert, lassen sich durch ihn Geld sparen: Verbrennungsrückstände in der Heizung führen zu einem Isolationseffekt, der den Brennmaterialverbrauch um sechs Prozent steigen lässt.
Bürsten statt Tippen
Die Kaminfeger als personifiziertes Glück? «Gerade rund um den Neujahreswechsel werden wir immer und immer wieder auf diese Rolle angesprochen», sagt Flavio Geiser. Ihn und sein vierköpfiges Team der Pfaffnauer Franz Purtschert GmbH durfte der WB im Rahmen der neuen Viedeoserie «Schichtwechsel» begleiten ( siehe Kasten ). Mehr noch. Der WB-Reporter wurde zum temporären Lehrling. Vom Morgenrapport bis zum Feierabendbier – acht Stunden russen war angesagt. Tatort: Kachelöfen in den guten Stuben, Heizungsanlagen in Kellern und Kamine, die via einer 24 Meter langen Fieberglasrute entrusst wurden. Kurzum: Entstanden ist ein Film, welcher das traditionelle Handwerk der Kaminfeger zeigt und damit eines Berufes, der sich stark im Wandel befindet.
Mit dem Panzer auf dem Dach unterwegs
Auf immer weniger Dächern steht ein Schornstein. Weg vom Öl. Weg von fossilen Brennstoffen. Das Züngeln von Flammen nimmt immer mehr ab, macht dem Summen und Brummen von Wärmepumpen Platz. Hat das Glück die Kaminfeger verlassen? Flavio Geiser schüttelt den Kopf. «Natürlich hat das traditionelle Arbeitsvolumen in den letzten Jahren abgenommen. Doch wer das Glück sucht, findet es auch als Kaminfeger», sagt der dreifache Familienvater. Einerseits hätten die Cheminees und Öfen vermehrt in den Stuben Einzug gehalten, werde mit Holz die Übergangszeit vom Herbst in den Winter überbrückt. Andererseits gelte es als Kaminfeger «mit der Zeit zu gehen, um nicht mit der Zeit zu gehen». Ob beim Service von Wärmepumpen oder Lüftungen – wie die Franz Purtschert GmbH haben auch viele andere Berufskollegen von Flavio Geiser ihre Geschäftsfelder erweitert. Seit vergangenem Jahr steht beim Pfaffnauer Unternehmen sogar ein «Panzer» im Einsatz. So nennt er seinen raupenbetriebenen Roboter, der via Fernsteuerung Solaranlagen wieder auf Hochglanz bringt.
Branche mit genug Arbeit, aber zu wenig Arbeiter
«Unser Beruf ist vielfältiger und mit Blick auf die computergesteuerten Heizzentralen zugleich technischer geworden», sagt der 34-jährige. Und trotzdem: Es fehlt an Nachwuchs und damit an Fachkräften. Gerade mal zehn Lehrlinge aus der Inner- und Nordostschweiz drücken derzeit in Olten für die dreijährige Ausbildung die Schulbank und holen hier ihr theoretisches Wissen. «Die Arbeit wird uns nie ausgehen, die Arbeiter vielleicht schon. Unser Image scheint im Gegensatz zu unserer Arbeit verstaubt zu sein. Dies gilt es zu ändern.» Um so mehr erfreue er sich an seinem Team, welches wie Pech und Schwefel zusammenhalte, sagt Flavio Geiser und fügt mit einem Augenzwinkern an: «Wenn ich schwarz sehe, wird mir das Glück vor Augen geführt.»
Ein Tag als Kaminfeger unterwegs
Schichtwechsel Nicht «nur» Schreiben und das Geschehen dokumentieren, sondern 1:1 kräftig mitanpacken: In der neuen WB-Serie Schichtwechsel schlüpft alle zwei Monate eine Redaktorin oder ein Redaktor in die Rolle des «Stifts». Während eines Tages werden die Überhosen angezogen und in den Arbeitstag des jeweiligen Handwerkberufs eingetaucht. Ein Perspektivenwechsel, der gleich doppelt zum Tragen kommt: Statt hinter der Kamera stehen die Böttu-Mitarbeitenden für einmal vor die Kamera.
In der ersten Ausgabe und damit passend zum Neujahresanfang klopfte der fürs Wiggertal zuständige Redaktor Stefan Bossart bei «Glücksbringern» an. Er war zu Gast beim Pfaffnauer Kaminfegerunternehmen Franz Purtschert GmbH. Mit dessen Inhaber Flavio Geiser und seinen Angestellten Herbert Zemp, Dominic Erismann, Martin Zemp und Kilian Pfister hatte er gute Lehrmeister. Die erste Lektion gabs bereits beim Rapport um 6.30 Uhr. Hut ab! Der Zylinder gehört zwar zum Kaminfeger wie das Amen in die Kirche. Doch erst, wenn sie nach dreijähriger Lehrzeit ihre Prüfung zum Gesellen abgelegt haben. Mit Kappe auf dem Kopf und samt Bürste, Taschenlampe und Schutzbrille am Gurt, russte sich Journalist Bossart letztlich durch den Sitzofen in der Stube eines Bauernhauses, durch drei Holzheizungen unten in Kellern und war gar hoch oben im Dach aktiv – dank einer 24 Meter langen Fieberglasrute, mit der er in einem Kamin für mehr Durchblick sorgte.
Warum ihn letztlich Vierbeiner von der Arbeit abhielten und was der WB-Reporter an diesem Tag sonst noch erlebte, haben die beiden Filmer Valerio Johler und Manuel Vogelsanger mit der Filmkamera festgehalten.
Glückssymbole
Neben dem Kaminfeger gibts noch weitere Glückssymbole. Warum und weshalb? Der WB machte sich kundig:
Hufeisen Hufeisen hängen als Glücksbringer über vielen Türen oder an Kaminen: Sie machen unverwundbar, schützen gegen böse Geister und können Naturkatastrophen abwehren, so der Volksglaube. Dieser nahm teilweise groteske Formen an. Während des Hexenwahns glaubte man, dass «Hexen» deshalb auf einem Besen durch die Lüfte schwebten, weil sie sich vor Pferden fürchteten. Jede Erinnerung an ein Pferd würde daher «Hexen» wirksam abhalten. Zur Verhinderung der Auferstehung brachte man daher auf dem Sargdeckel hingerichteter «Hexen» ein Hufeisen an.
Kleeblatt Das dreiblättrige Kleeblatt ist ein Symbol der Dreifaltigkeit und schützt vor bösen Kräften. Das vierblättrige ist das Glückssymbol schlechthin. In den Rocksaum einer Ehefrau genäht, bringt es angeblich Kindersegen, einem jungen Mädchen in den Ärmel geheftet, verschafft es Liebesglück. Seine grüne Farbe steht zudem für Leben, Hoffnung und Wachstum.
Einräppler Die 1-Rappen-Münze ist ein bekanntes Glückssymbol, das für Wohlstand und finanzielles Glück steht. Man glaubt: wer eine im Portemonnaie hat, dem geht das Geld nie aus. Einen «Beliebtheitsschub» erfuhr der Einräppler insbesondre nach seiner Ausserkurssetzung 2007. Als Souvenir und Glücksbringer wurde er in der Folge mitunter als vergoldetes Stück verschenkt.
Marienkäfer Er gilt als Himmelsbote der Mutter Gottes, der Kinder beschützt und Kranke heilt, wenn er ihnen zufliegt. Zudem sind Marienkäfer Nützlinge, da sie Schädlinge wie Blattläuse fressen und so die Ernte schützen. Marienkäfer dürfen laut Volksglaube niemals abgeschüttelt oder gar getötet werden, weil man sonst das Unglück anzieht.
Misteln Als Schutz vor bösen Geistern wurden Misteln in Häusern und Ställen aufgehängt. Dem immergrünen und oft hoch im Geäst der Bäume anzutreffenden Gewächs werden aber auch Heilkräfte nachgesagt. Und: Ein Kuss zweier Liebenden unter einem Mistelzweig gilt als gutes Omen für eine baldige Hochzeit.
Schwein «Du Ferkel!». Als Schwein bezeichnet zu werden, ist wenig schmeichelhaft. Trotzdem finden sich die Grunzer als Glückssymbol auf Karten zum Geburtstag, zum Jahresanfang oder zur Hochzeit. Mit Grund. Bereits im Mittelalter steht das Schwein für Wohlstand und Überfluss. Wer ein Schwein besass, hatte Nahrung, Sicherheit und Reichtum. In Redewendungen wie «Schwein haben» spiegelt sich diese Bedeutung wider. Auch in Wettkämpfen bekam der Letzte früher oft ein Schwein als Trostpreis – er ging also nicht leer aus. Zudem symbolisiert das Schwein Fruchtbarkeit und Lebensfreude, da es als robust und genügsam gilt. bo/pd

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