Ein wenig Pfadilager auf vier Rädern

Aarau–Nordkap–Oslo in 14 Tagen: Drei ehemalige Willisauer Pfadi-Leiter und eine Kollegin starten am Donnerstag zu einem grossen Abenteuer: Sie brechen zur «Catrophy» auf. Der WB stellt die beiden Teams vor, welche während dieser Zeit für uns von ihrer Reise bloggen.

Ein Schneeleopard und ein Marienkäfer gehen gemeinsam auf Reise. Das ist keine Fantasterei, sondern ab Donnerstagnachmittag Realität. So brechen zwei tierische VWs mit Willisauer Pfadi-Power Richtung Nordkap auf. Unter dem Slogan «Tierisches Abenteuer» nehmen die ehemaligen Pfader Roman Suppiger (23), Lucien Chappuis (25), Maya Krummenacher (23) und ihre Kollegin Debora Schnell (30) an der sogenannten «Catrophy» teil. Letzterer Begriff steht für «crazy adventure trophy», zu deutsch verrücktes Abenteuer.

In monatelanger Vorarbeit hat das Quartett seine Fahrzeuge mottogetreu eingekleidet und auf Vordermann gebracht. Roman Suppiger und Lucien Chappuis starten unter dem Namen «El Destructor» mit einem Schneeleopard-Gefährt. Auf dem Dach haben sie ein Megafon installiert. «Wir möchten uns in fremden Ländern Gehör verschaffen.» Zusätzlich wurde ein Gepäckhalter für Benzinkanister und andere Ware installiert.

Maya Krummenacher und Debora Schnell starten als Marienkäfer unter der Bezeichnung «Vegheltane». Das komische Wort sei Programm. «Vegheltane ist norwegisch und bedeutet Stras­senhelden», erklärt Maya Krummen­acher.

Querbeet Richtung Nordkap
Während zweier Wochen durchqueren 32 Teams à zwei bis vier Personen mit ihren bunt geschmückten Fahrzeugen zehn Länder. Gestartet wird am Donnerstag, Punkt 16.15 Uhr, in Aarau. Schlussziel ist Oslo, die Hauptstadt Norwegens.

Zuvor durchqueren die Rally-Teams in 14 Tagen Deutschland, Polen, Kaliningrad (russische Exklave), Litauen, Lettland, Estland, Russland, Finnland, Schweden und Norwegen. Höhepunkt der «Catrophy» ist der Besuch des Nordkaps, des nördlichsten Punkts Europas. «Mitmachen kommt vor dem Gewinnen», sagt Roman Suppiger. Auf der Strecke und in den verschiedenen Städten warten skurrile Aufgaben auf die vier Teilnehmer aus dem Hinterland. So gilt es etwa kleine Orte zu finden, Pflanzen zu suchen oder Fotos zu schies­sen. «Ich kann es kaum erwarten, bis es losgeht», sagt Maya Krummen­acher.

Abenteuer pur
Was hat das Quartett dazu bewogen, die Herausforderung «Catrophy» in Angriff zu nehmen? «Ich kann zwei Hobbys miteinander verbinden», berichtet Roman Suppiger. Die da wären? «Autofahren und Ferien machen.» Doch damit nicht genug. «Der Event garantiert Abenteuer pur», fügt Lucien Chappuis hinzu. Die «Catrophy» sei weit abwechslungsreicher als langweilige Badeferien am Strand. «Wir möchten etwas Spezielles erleben, etwas, von dem wir in Zukunft noch lange berichten können.»

Der Schlusspunkt
Maya Krummenacher und Debora Schnell setzen mit der Teilnahme einen Schlusspunkt hinter ihr Studium: Beide haben soeben ihren Bachelor in International Business Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel geschafft. Diese Abschlussreise ermögliche, an Orte zu gelangen, die der «Null-acht-fünfzehn-Tourist» nicht besuchen würde. Maya Krummenacher macht ein Beispiel: So wird in Russland Murmansk angefahren, eine Hafenstadt nördlich des Polarkreises, im Nirgendwo. Oder wer bekommt in seinem Leben die atemberaubende «Atlantic Ocean Road» an der Westküste Norwegens zu Gesicht? «Wir sind wahre Glückspilze.»

Das Gegenteil von 
All-inclusive-Ferien
Wer süsses Nichtstun im Urlaub bevorzugt, ist bei der «Catrophy» fehl am Platz. «Das Erlebnis steht im Vordergrund», sagt Roman Suppiger. «Die Rally ist ein bisschen Pfadilager auf vier Rädern.» Die Teilnehmer müssen flexibel, unkompliziert und hilfsbereit sein. Gegessen und geschlafen wird die meiste Zeit im Auto. Matratze und Schlafsack gehören ebenso zur Ausrüstung wie Gasgrill und Benzinkocher. Zusätzlich sind ein Ersatzrad, ein Feuerlöscher und ein Werkzeugkasten mit dabei. «Hotelübernachtungen gibt es nur, wenn eine warme Dusche unumgänglich ist.» Schliesslich sind die Willisauer Teil einer «Low-Budget-Rally», also eines Abenteuers, für das wenig Budget reichen soll.

Autos sind 20 und mehr Jahre alt
Ohne Geld ist aber auch diese Rally nicht fahrbar. Die Teamkosten sind samt Auto rund 6000 Franken gross. Da die Aufwendungen im Vorfeld relativ hoch sind, muss während der Rally wenig Cash reichen. Die grössten Ausgabenposten sind die Ausstattung und die Benzinkosten. Das Auto muss spezielle Kriterien erfüllen – ansonsten erhalten die Teams Strafpunkte. Will heis­sen? Das Fahrzeug soll mindestens 20 Jahre alt sein und darf für nicht mehr als 1915,15 Franken gekauft worden sein. Hinzu kommt der Autoservice. «Dabei konnten wir auf die grosszügige Unterstützung von Franz Aregger zählen», berichtet Maya Krummenacher. Der Geschäftsführer des Pneuhauses in Willisau überprüfte Bremsen, Reifen, und Öl. Zudem führte er die Abgastests durch. Beide Willisauer Teams gingen auf Probefahrt. «Wir wollten herausfinden, wie viel Benzin unser Wagen auf 100 Kilometern verbraucht», sagt Lucien Chappuis. Denn in Russland sei es schwierig, Tankstellen zu finden. Zwangsläufig sind Benzinkanister mit an Bord.

Keine Kaffeefahrt
Die Fahrzeiten sind von Tag zu Tag unterschiedlich: zwischen fünf und zwölf Stunden. «Wir machen definitiv keine Kaffeefahrt», hält Lucien Chappuis fest. «Wir werden zum Teil schlecht beleuchtete Strassen antreffen, die endlos lang geradeaus führen und mit Schlaglöchern übersät sind.» Da ist fahrerisches Können gefragt. Lediglich mit Kartenausschnitt, Kompass und Funkgerät ausgestattet, werden die Teilnehmer von Etappenort zu Etappenort geschickt. Das sind offiziell die einzigen Hilfsmittel, um sich zu orientieren. Die Verwendung eines GPS ist nicht erlaubt.

Die Willisauer haben sich auf eine Fahrtaktik geeinigt: Nach eineinhalb Stunden wird dem Fahrer eine Pause gegönnt und ein kurzer Boxenstopp eingelegt. Frische Luft, WC-Pause, ein kleiner Snack… und weiter geht die Reise. Alle drei Stunden wird der Fahrer ausgewechselt.

Um fit zu bleiben, braucht der Körper viel Flüssigkeit. «Genügend Wasser zu trinken ist das A und O», sagt Roman Suppiger. Beide Teams haben im Vorfeld eine Versicherung abgeschlossen. Hat das Auto eine gröbere Panne, wird es vom TCS abgeholt. Weit lieber als über mögliche Rückschläge spricht das Willisauer Quartett über «die gros­se Chance». Maya Krummenacher: «Wir dürfen Tag für Tag neue Regionen entdecken und neue Gesichter kennenlernen. Unsere Vorfreude ist riesig.»

Der Start der «Catrophy» ist am Donnerstag, 2. April, 16.15 Uhr, in der Neumattstrasse 8 in Aarau. Ab Dienstag, 7. April, können Interessierte in unregelmässigen Abständen auf http://www.willisauerbote.ch die Reise mitverfolgen. Weitere Infos zur Rally gibt es unter http://www.facebook.com/pfsrallye. Auf http://www.catrophy.com lässt sich der Standpunkt von jedem Team genau mitverfolgen.

(Lars Limacher)

Image CAPTCHA
Bitte geben Sie die Zeichen aus der Abbildung ein.

Eingeschränktes HTML

  • Zulässige HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.