Vorfreude auf den Start im Nationaldress

Am Freitag wurden in der weissrussischen Hauptstadt Minsk die zweiten European Games eröffnet. Mehr als 70 Athleten vertreten die Schweiz in 14 Sportarten an diesem Multisportevent. Darunter sind mit Lisa Stöckli, Céline Schwarzentruber und Stefan Reichmuth auch drei Teilnehmer aus der Region.

Stefan Reichmuth bestreitet seinen Wettkampf in Minsk am kommenden Dienstag und Mittwoch. Foto zvg

Das Schweizer Team tritt an den zweiten European Games in Minsk, die gestern Freitag eröffnet wurden und bis am Sonntag in einer Woche dauern, in den Sportarten Badminton, Basketball, Beachsoccer, Bogenschiessen, Boxen, Judo, Kanu Regatta, Karate, Kunstturnen, Leichtathletik, Rad (Bahn und Strasse), Ringen (Freistil und Greco), Schiessen und Tischtennis an. Dabei geniessen diese Europaspiele, die als «Olympische Spiele im Kleinformat» gelten, je nach Sportart einen ganz unterschiedlichen Stellenwert. So werden beispielsweise im Schiessen Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Tokio vergeben. Entsprechend wichtig sind diese Wettkämpfe für die Schützen. Die Leichtathletikdisziplinen hingegen werden als Teamwettkampf in einem ganz neuen Format ausgetragen. Im Hinblick auf die weiteren Saisonhöhepunkte wie die U23-Europameisterschaften, die Universiade oder die Weltmeisterschaften verzichten die besten Leichtathleten des Landes deshalb auf eine Teilnahme in Minsk.

Die Ringer mussten sich derweil an den Europameisterschaften im April für die European Games qualifizieren. Die Europaspiele dienen auf dem Weg an die Weltmeisterschaften, die vom 14. bis 22. September in Nur-Saltan/Kasachstan stattfinden, als wichtiges Turnier und weitere Standortbestimmung. Dementsprechend sind die besten 16 Ringer Europas in den verschiedenen Gewichtsklassen am Start. 

 

Stefan Reichmuth strebt einen Top-5-Platz an

Nach 2015 bereits zum zweiten Mal an Europaspielen dabei ist Stefan Reichmuth. Der Grosswanger wird in Minsk in der Kategorie bis 86 Kilogramm, Freistil, an den Start gehen. «Ich bin sehr gut in Form, wieder vollständig fit und habe seit den Europameisterschaften einen grossen Schritt nach vorne gemacht», gibt sich der 24-Jährige zuversichtlich. Mit mehreren Trainingslagern in Magglingen, Russland und Deutschland hat sich Reichmuth auf den Einsatz in Minsk vorbereitet. «Der Stellenwert der European Games ist im Ringen sehr hoch. Ich erhoffe mir gegenüber der EM eine deutliche Steigerung und strebe eine Top-5-Platzierung an.» Besonders freut er sich auf das Athletendorf sowie den Austausch mit den anderen Sportlern. «Die Vorfreude ist gross. Ich halte sehr viel von diesem Format, das es auf anderen Kontinenten schon länger gibt. Schade ist, dass die European Games nicht in allen Sportarten den gleich hohen Stellenwert geniessen und dementsprechend auch bei den Medien nicht so hoch im Kurs sind.» Bis zu seinen Einsätzen am kommenden Dienstag, 25. Juni, und allenfalls am Mittwoch, 26. Juni, gelte es locker zu trainieren und noch vier Kilo Körpergewicht zu verlieren. «Erstmals wird mein Manager Samuel Bucher an einem Grossanlass dabei sein, das wird eine coole Sache», freut sich Reichmuth.

Lisa Stöckli (hier ein Bild von ihrem Einsatz bei "Weltklasse Zürich" im Jahr 2018) tritt über 600 Meter an. Foto HPR

Spannendes Format in der Leichtathletik

Während für Stefan Reichmuth die Teilnahme an Grossanlässen bereits Routine ist, betreten Lisa Stöckli und Céline Schwarzentruber diesbezüglich Neuland. Angefangen beim offiziellen Einkleidungstag, über das Tragen der Swiss-Olympic-Bekleidung bis hin zum Leben im Athletendorf vor Ort: Die beiden Leichtathletinnen erleben zurzeit Premiere um Premiere. Eine solche bildet auch das Wettkampfformat, in dem die Leichtathleten bei den European Games in Minsk antreten. Die 24 teilnehmenden Nationen bestreiten morgen Sonntag vorerst eine Vorrunde bestehend aus den acht Disziplinen Speerwerfen (Frauen), 100 Meter (je ein Frauen- und Männerrennen), 100 Meter Hürden (Frauen), 110 Meter Hürden (Männer), Hochsprung (Männer), 4x400-Meter-Staffel (Mixed) und Weitsprung (Frauen). Dabei werden sowohl das Speerwerfen als auch der Hoch- und Weitsprung im Knock-out-Verfahren ausgetragen, was für zusätzliche Spannung sorgen dürfte. Anhand der gewonnenen Punkte aus den einzelnen Disziplinen werden die Startreihenfolge und das Zeithandicap für das abschlies­sende Jagdrennen («The Hunt») errechnet. Dieses Mixed-Staffel-Rennen setzt sich aus den Distanzen 800 Meter, 600 Meter, 400 Meter und 200 Meter zusammen. Die Nation, welche dieses Jagdrennen gewinnt, ist Gruppensieger. Die vier Gruppensieger sowie die besten zwei Gruppenzweiten rücken direkt in den Halbfinal vor. Die anderen 18 Länder erhalten nach einem Ruhetag im Viertelfinal (am kommenden Dienstag, 25. Juni) eine weitere Chance auf das Weiterkommen. Die zwölf Halbfinalisten machen danach am Mittwoch, 26. Juni, in zwei Sechsergruppen die sechs Finalteilnehmer unter sich aus. Das Siegerland der Europaspiele 2019 wird am Freitag, 28. Juni ermittelt. 

Die Willisauerin Céline Schwarzentruber wurde für die European Games nachnominiert. Foto HPR

Céline Schwarzentuber nachnominiert

Die 800-Meter-Spezialistin Lisa Stöckli wird im Jagdrennen über 600 Meter antreten. «Meine Form wird immer besser und ich bin sicher, dass ich in Minsk an meine Bestzeit heranlaufen kann. Die Distanz kommt mir entgegen. Besonders cool finde ich, dass der Wettkampf im Team ausgetragen wird und ich in einer Staffel antreten darf. Innerhalb von zwei Stunden wird der ganze Wettkampf vorbei sein, was ihn extrem spannend macht», so Lisa Stöckli. Die Teilnahme an ihrem ersten Grossanlass bedeutet der Grosswangerin viel. «Ich freue mich extrem auf dieses Sportfest und hoffe, in Minsk meine bestmögliche Leistung abrufen zu können. Daneben möchte ich das ganze Drumherum aber auch geniessen können. So etwas werde ich so schnell nicht wieder erleben», sagt die 25-Jährige. Besonders toll sei es, dass auch Stefan Reichmuth in Weissrussland dabei sei. «Wir haben gemeinsam die Schulbank gedrückt. Wenn ich die Möglichkeit habe, möchte ich seine Wettkämpfe natürlich mitverfolgen.»

Während sich Lisa Stöckli seit Längerem auf die Teilnahme an den European Games freuen und vorbereiten konnte, wurde Céline Schwarzentruber erst zwei Tage vor Abreise als Ersatz im Weitsprung nachnominiert. «Die Überraschung war riesig. Das Ganze fühlt sich noch völlig surreal an. Ob ich in Minsk tatsächlich zum Einsatz kommen werde, erfahre ich aber erst vor Ort», so die 21-jährige Willisauerin.

Stefanie Barmet

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