Spuren des frühen Luzern liegen im See

Auch am Vierwaldstättersee waren einst Pfahlbauer zu Hause: Archäologen haben bei Bauarbeiten im Luzerner Seebecken vier Meter unter der Wasseroberfläche die Spuren einer rund 3000-jährigen Siedlung aus der Bronzezeit entdeckt. Der gestiegene Seepegel hielt sie lange verborgen.

 

Foto Keystone

Zum Vorschein gekommen waren die rund 30 Pfähle und die fünf Keramikscherben, die auf eine Siedlung um 1000 vor Christus hindeuten, beim Bau der Seewasserleitung der ewl. Die Fundstelle liegt rund 400 Meter vom Ufer der Ufschötti entfernt, wie der stellvertretende Kantonsarchäologe Fabian Küng am Donnerstag vor den Medien erklärte.

Der Aushub des rund 1 Kilometer langen Leitungsgrabens wurde von Tauchern der Zürcher Unterwasserarchäologie begleitet. Mit dem Fund könne man eine unerklärliche Lücke in der Geschichte der Stadt schliessen. Denn Seeausflüsse seien prädestiniert für Pfahlbausiedlungen, sagte Küng.

Die geborgenen Pfähle und die Scherben stammten aus der gleichen Zeit, sagte Archäologin Anna Kienholz und zeigte ein schwarzes, glänzendes Stück einer Schale. Bei den Scherben lasse sich das Alter anhand von Moden bestimmen, die schon damals bei der Fertigung bestanden.

 

Zugespitzt und gut erhalten

Bei den Pfählen, die mit Beilen zugespitzt wurden und wegen der feuchten Bedingungen gut erhalten sind, wurde die Datierung mit der Radiokohlenstoff-Methode vorgenommen. Es gebe zudem einen Hinweis auf eine weitere Siedlung im Seebecken.

Mit der Erkenntnis sei nun belegt, dass nicht Mönche oder Dorfbewohner die ältesten Luzerner seien, sagte Bildungs- und Kulturdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos). Denn bislang reichten die ältesten Belege für eine Siedlung in Luzern ins 8. Jahrhundert zurück. Das frühere Kloster bei der Hofkirche ist in schriftlichen Quellen erwähnt.

Funde im Bereich der heutigen Stadt reichen ins 10. Jahrhundert zurück. Zwar seien auch vereinzelte älter Funde, etwa von römischen Münzen, im Gebiet vorhanden. Ein Hinweis auf eine ältere Siedlung habe aber bislang gefehlt, sagte Küng. Dies sei auf eine starke Veränderung der Landschaft durch einen Seepegelanstieg zurückzuführen.

 

Seeausfluss verengt

Weil der Krienbach Geröll in Richtung Reuss verschob, engte sich der Seeausfluss zunehmend ein. Und auch menschliche Eingriffe zur Nutzung der Wasserkraft liessen den Pegel ansteigen. Davor habe dieser rund fünf Meter tiefer gelegen. Die potenziell versunkene Pfahlbauersiedlungsfläche sei etwa elfmal grösser als jene der heutigen Stadt.

Die tatsächliche Ausdehnung der Siedlung ist allerdings noch nicht bekannt, da sich die archäologischen Untersuchungen auf den Bau der Wasserleitung beschränkten und keine wissenschaftlichen Grabungen vorgenommen wurden. Kantonsarchäologe Jürg Manser sagte, Auftrag sei es, die konservierten Quellen zu schützen, was nun geschehen sei.

In einem nächsten Schritt gelte es, die Informationen zu verdichten. Die weiteren Spuren der Pfahlbauer könnten auch durch nicht-invasive Methoden aufgedeckt werden, etwa mittels Sedimentecholot oder aber durch Bohrungen.

Im Kanton Luzern gibt es bereits drei Pfahlbau-Fundstellen, die auf der Unseco-Welterbe-Liste stehen: In Egolzwil, in Hitzkirch und in Sursee. Die prähistorischen Pfahlbauten wurden vor zehn Jahren als Welterbe aufgenommen. Bildungsdirektor Schwerzmann sagte, die jüngsten Luzerner Funde würden im Sinne eines Vermittlungsprojekts gut ins neue Luzerner Museumskonzept passen.  sda

 
 

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