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Luzern verlangt vom Bund ein Verbot von "Konversionstherapien"

Behandlungen von Homosexuellen, um deren sexuelle Orientierung zu ändern, sollen vom Bunde verboten werden. Der Luzerner Kantonsrat hat am Donnerstag gegen den Willen der SVP eine Kantonsinitiative lanciert, die solche "Konversionstherapien" auf nationaler Ebene untersagen will.

Eine "Umpolung" der sexuellen Orientierung soll schweizweit verboten werden. (Symbolbild)
KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA BELLA
 

Das Parlament hiess mit 84 zu 17 Stimmen eine Motion von Mario Cozzio (GLP, Sursee) gut. Dieser machte sich für ein Verbot von Therapien stark, die zum Ziel haben, das homosexuelle Verlangen eines Menschen in eine heterosexuelle Neigung umzupolen oder die Geschlechtsidentität von betroffenen Personen zu verändern.

Früher habe man Linkshändern in der Schule mit dem Lineal auf die Hand geschlagen, um sie zu Rechtshändern umzuerziehen, verglich Cozzio die Behandlungen. Sie seien der Versuch, etwas Unveränderbares mit brachialen Mitteln zu verändern und unmenschlich. Homosexualität sei keine Krankheit und bedürfe auch keiner Therapie.

Der Regierungsrat war ebenfalls der Meinung, dass solche Behandlungen nicht zu legitimieren seien. Es handle sich dabei um einen nicht zu rechtfertigenden Eingriff in die Privatsphäre und Integrität der betroffenen Personen.

Der Handlungsbedarf sei ausgewiesen, sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf (Mitte). Es werde "viel gemacht, das nicht korrekt" sei. Die Regierung wird nun mittels Kantonsinitiative eine Regelung auf Bundesebene anstreben, kantonale Lösungen wollte sie nicht. Im März hiess das Berner Kantonsparlament einen Vorstoss gut, der sogenannte "Homo-Heilungen" im Kanton verbieten will.

"Legitime Behandlungen" betroffen

Gegen die Kantonsinitiative stellte sich einzig die SVP. Es gebe keinen Bedarf für eine zusätzliche Regulierung, sagte Monika Schnydrig (SVP, Hochdorf). Von einem Verbot könnten auch legitime Behandlungen betroffen sein. Ergebnisoffene Angebote zur Reflexion der sexuellen Orientierung müssten möglich sein.

Anja Meier (SP, Willisau) entgegnete, Homosexualität sei weder eine Krankheit noch eine Selbstwahl oder eine Phase. Laut Schätzungen seien in der Schweiz schon 14'000 Personen Opfer von solchen Behandlungen geworden. Grüne, Mitte und FDP unterstützten die Motion vorbehaltlos. (sda/swe)

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