Von Grünen Zebras und Skudden-Schafen

Ob bei den Tomaten im Garten oder den Schafen auf der Weide: Nadja Kalmbach mag es ursprünglich. Aufgewachsen in der Stadt, lebt sie heute im Grünen ihre Leidenschaft.

Und weg sind sie, die Schafsköpfe, die einen Moment zuvor noch neugierig aus dem Stalleingang lugten. Kaum haben sie das Knipsen der Kamera gehört und die fremde Person dahinter erblickt, suchen sie schnell blökend auf der Wiese das Weite. Nadja Kalmbach lacht. «Skudden-Schafe sind etwas scheu.» Erst als die 47-Jährige zwischen den Obstbäumen in die Hocke geht und der fremde Besuch mit der Kamera auf Abstand bleibt, kommen die Tiere zögernd wieder näher, riechen an der Hand ihrer Besitzerin, reiben den Kopf am Arm, lassen sich zwischen den Ohren kraulen. Wie Nadja Kalmbach da zwischen ihren Tieren sitzt und jedes beim Namen kennt, sieht man ihr die Freude an der kleinen Herde auch mit dem nötigen Abstand an. Die Skudden-Schafe sind ihr grosses Hobby. «Sie sind nicht nur hübsch, sondern auch robust, fruchtbar und meist kerngesund.»

Der Lebenstraum
Und sie gehören einer alten, seltenen Rasse an. Ein Merkmal, auf welches die Besitzerin viel Wert legt. Während die Tiere sich wieder in den kühlen Schatten des Stalles zurückziehen, schenkt Nadja Kalmbach auf dem Gartentisch vor dem Haus selbstgemachten Holunderblütensirup ein. «Wenn ich schon hobbymässig Schafe halte, dann will ich eine vom Aussterben bedrohte Rasse», erklärt sie. «So kann ich im kleinen Rahmen mithelfen, eine Vielfalt in der Natur zu erhalten.» Vielfalt und Natur: Diese beiden Stichworte ziehen sich durch Nadja Kalmbachs Leben. Obwohl in der Stadt Luzern aufgewachsen, hegte sie früh den Traum, Bäuerin zu werden. «Ich wurde schliesslich Marketingfachfrau», sagt sie und lacht. Mit dem Umzug nach Ufhusen hat sich ihr Traum trotzdem Stück für Stück erfüllt.

Der Umzug
13 Jahre ist es her, seit Nadja und ihr Mann Marc Kalmbach in die alte Käserei an den Waldrand in Ufhusen gezogen sind. «Immer wieder haben wir uns nach einem Bauernhof oder Ähnlichem umgeschaut.» Lange fanden sie nichts – und landeten schliesslich im Luzerner Hinterland «einen Glückstreffer», wie Kalmbach sagt. So entwickelte sich die umgebaute Chäsi mehr und mehr zum eigenen kleinen Hobby-Betrieb. Nebst der Schafherde halten die Kalmbachs Hühner und Bienen. Auch hier: Alles alte Rassen. «Ich bin total davon überzeugt, dass das wichtige Genreserven sind, die nicht verloren gehen sollten.» Aus diesem Grund setzte sie sich die letzten zehn Jahre auch im Vorstand des Schweizerischen Skuddenzüchter- Verbands ein, sechs Jahre davon als Präsidentin,  Zuchtleiterin und Expertin. Letzteres führte sie auf zahlreiche Bauernhöfe, wo sie die Skudden-Schafe punktierte. «So kann ich wiederum dazu beitragen, dass die genetische Breite nicht verloren geht.»

Der Garten
Die Breite an seltenen Arten hört nicht am Weidesrand auf. Grüner Zebra, weis­ses Ochsenherz und rote Teufelchen: So heissen die Tomaten, die im Garten gedeihen. «Mit solchen samenechten Sorten habe ich stets wieder mein eigenes Saatgut und kann das Gemüse weiterziehen», erklärt sie. «So schaffe ich mir eine Unabhängigkeit von Saatgutfirmen.»
Darauf legt sie nicht nur ihres Berufes wegen – Kalmbach ist Projektleiterin von der Stiftung Pro Specia Rara (siehe Kasten) – viel Wert: «Ich bestimme einfach gerne selbst, was ich esse.» Und so landet neben dem bunten Salat mit Tomaten und Kräutern aus dem eigenen Garten ein Stück Lammfleisch von der eigenen Skudden-Schafherde auf dem Teller.

Chantal Bossard

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