Im Wilden Westen - die WB-Sommerserie 2020

Farbig durch eine düstere Epoche

Heitere statt dunkle Zeiten: Dem ­Motto «Mittelalter» zum Trotz wartete der Umzug in Altbüron kunterbunt auf.

Das Mittelalter. Eine düstere Zeit, sollte man meinen. Kunterbunt ging es hingegen in Altbüron zu und her. Da war etwa die Frauengruppe in knalligem Pink, die für ihre Gemeinde, ihr Alt­büron, weibelten. «Altbüron – lebenswert, liebenswert, ihr seid uns viele Scheine wert»: Mit diesem Slogan spielten sie wohl auf die Nachbarsgemeinde an, die letzten Sommer Schlagzeilen machte: Grossdietwil zahlt nämlich den Jungen, welche im eigenen Dorf bleiben, einen 1500-Franken-Bonus. Auch der STV Roggliswil ist mit seiner Nummer alles andere als im Mittelalter steckengeblieben: Die Turnerinnen und Turner produzierten auf Fitnessgeräten putzmunter «Greta-Energie». Etwas eher an die düstere Epoche der Menschheit erinnerte hingegen die Männerriege Altbüron. «Zölibat, Hochmut, Habgier, Völlerei: Wir sprechen euch von eurem Bauland frei», stand gross auf ihrem Wagen, nebenher schritt die Riege im Mönchsgewand. Währenddessen übte sich der STV Altbüron vor ihrer stattlichen Burg im Schwertkampf. Fazit: Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher erlebten Spektakel nach Spektakel – und das ganz unkompliziert. Wie der Speaker gleich zu Beginn des Anlasses stolz verkündet, ist der Altbürer Umzug der einzige, welcher keine geregelte Reihenfolge kennt.

«Immer wieder eine Freude»
Sie sind der Ausnahmefall: Die Tunnuschränzer Altbüron sind stets Umzugsnummer 1. Ganz dem Thema Gothic verschrieben führt die Guggenmusik in schwarz-lila Gewändern den Korso an. Tambourmajor Louis Müller allen voran, über den Kopf hat er einen ­Totenschädel mit brennenden Hörnern gestülpt. «An der Fasnacht sind wir an etlichen Anlässen dabei, doch der Umzug im eigenen Dorf ist und bleibt etwas ganz Besonderes», so Müller. Er schätze es, dass es kein durchstrukturiertes Programm gebe, wie es an anderen Fasnachtsumzügen der Fall ist. «So kann man sich Jahr für Jahr überraschen lassen – und es ist immer wieder eine Freude, dabei zu sein.»

«Tüüf im Härze»
Auch Marcel Hoffmann, Mitglied der 6 Gögs und Verantwortlicher für den Umzug, kommt ins Schwärmen, spricht man ihn auf den Anlass an: «Wenn in Altbüron Gross und Klein vom ganzen Tal durch die Strassen ziehen, dann weiss ich: Jetzt haben die rüüdigen Tage begonnen.»
Alle Arbeit, die es durch das Jahr hindurch dafür zu stemmen gebe, zahle sich dann aus. «Kaum zu toppen», sei der Umzug für ihn. Oder anders gesagt: «Tüüf im Härze».

Chantal Bossard

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