Im Wilden Westen - die WB-Sommerserie 2020

Eine Halle, zwei Gemeinden, viel Engagement

Die beiden Rottal-Gemein­den Altbüron und Grossdietwil feiern ihre Mehrzweckhalle Hiltbrunnen. Das regionale Vorzeigeprojekt aus dem Jahr 1999 ist heute aus dem Dorf­leben kaum mehr wegzudenken.

Edwin Bütikofer koordiniert das 20-Jahr-Jubiläum als OK-Präsident. Foto Irene Zemp-Bisang

«Eine Vision wird wahr», titelte der Willisauer Bote im August 1999 und zitierte damit den damaligen Altbürer Gemeindeammann Edwin Bütikofer. Dieser sprach an der Eröffnungsfeier der Mehrzweckhalle Hiltbrunnen von einem «Tag, der in die Geschichte des Rottals eingeht.» Diese Aussage habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten bestätigt, sagt Bütikofer. «Die Mehrzweckhalle hat unsere Infrastruktur enorm aufgewertet. Sie prägt unser Dorfleben bis heute.» Über 50 000 Personen gehen jährlich in der Hiltbrunnen-Halle ein und aus. Darunter Grossdietwiler, Altbürer und Auswärtige. Schulklassen absolvieren hier ihre Turnstunden, verschiedenste Vereine nutzen die Räumlichkeiten für ihre Proben und Trainings. Dazu kommen Veranstaltungen wie Musikkonzerte, Theateraufführungen, Generalversammlungen und viele mehr. «Die Einrichtung ist zweckmässig.» Mit den drei Turnhallen, der Bühne, der Zuschauergalerie, einem Office und Garderoben ist sie für Kulturanlässe genauso geeignet wie für sportliche Aktivitäten.

Ein mutiger Entscheid
Der Weg bis zum Baustart im August 1997 war lang. Neun Jahre hatten die Initianten auf diesen Moment hingearbeitet, darunter der damalige Altbürer Gemeindepräsident Oswin Bättig, Vereinsvertreter Heinz Bernet sowie Vorstandsmitglieder des FC Algro. Sie mussten die Bevölkerung für ihre Vision gewinnen. «Anfänglich waren nicht alle begeistert von der Idee», erinnert sich Edwin Bütikofer. Einige bemängelten die Notwendigkeit einer solchen Anlage, andere kritisierten die Kosten oder den Standort. Doch nach und nach sei es gelungen, die Gegner mit ins Boot zu holen. «Ein sehr grosser Teil der Bevölkerung half schliesslich mit, dieses Projekt voranzutreiben und das nötige Geld zusammenzubringen.» Die Halle kostete knapp sechs Millionen Franken. 60 Prozent berappte die öffentliche Hand, Altbüron steuerte 2,5 Millionen bei (43.5 Prozent), Grossdietwil 800 000 Franken (13.90 Prozent) und die Korporation Altbüron 200 000 Franken (3.5 Prozent). Für die restlichen 2,25 Millionen Franken kam eine private Trägerschaft auf. Es entstand die Genossenschaft für Sport, Kultur und Freizeit, GSKF. Interessierte konnten für 1000 Franken einen Anteilschein kaufen. Aktionen wie ein Schaufelfest, ein Flohmarkt oder ein Meitschibei-Weltrekord spülten Geld in die Kasse. «Das Engagement war enorm. Aus dem anfänglichen Feuer für die Idee, entfachte ein Flächenbrand.» Das Erfolgsrezept? Die Hauptdrahtzieher hätten unternehmerisches Geschick und Mut bewiesen. Dazu käme eine grosse Portion Glück. «Wir konnten die Mehrzweckhalle in einem idealen Zeitpunkt realisieren.» Bereits zwei Jahre später hätten die Rahmenbedingungen das kaum mehr zugelassen, die Zahlungen aus dem Finanzausgleich wurden weniger. Die Aussage, die Gemeinden hätten die Halle mit Kantonsgeldern finanziert, lässt Bütikofer aber nicht gelten. «Einen beträchtlichen Teil haben Private beigesteuert.» Dieser Einsatz mache das Bauvorhaben zu einem überregionalen Vorzeigeprojekt, sagt Edwin Bütikofer. Die Halle an sich sei nicht besonders, doch der Weg zum Ziel sei ungewöhnlich. «Immer wieder staunten Amtskollegen aus anderen Gemeinden, wie die kleinen Gemeinden ein solches Grossprojekt stemmen konnten.»

Ein wichtiger Schritt
Die Bauzeit betrug zwei Jahre. Alles sei reibungslos verlaufen, sagt Edwin Bütikofer. Er hat die rund 80 Bausitzungen als Präsident des Konsoritums geleitet, half mit die Arbeiten zu vergeben und die Kosten zu kontrollieren. Das Gremium vereinte Vertreter der öffentlichen und der privaten Trägerschaft. Diese Organisationsstruktur hat bis heute Bestand, der Kostenteiler ebenfalls. Die Genossenschaft ist in der Pflicht. Um ihre gut 30 Prozent der Betriebskosten zu berappen, organisieren die Verantwortlichen regelmässig Anlässe. So holten sie unter anderem Bagetello auf die Hiltbrunnen-Bühne, Divertimento, Marco Rima oder Trauffer.
Ein grosser Act ist auch am 20-Jahr-Jubiläum geplant. Am kommenden Freitag, 13. September, tritt Kunz auf. Am Tag darauf ist ein Bankettessen (siehe Kasten oben), ein offizieller Festakt und ein Tanzabend mit «Grenzenlos» geplant. Auch dann stehen wieder viele Freiwillige im Einsatz. Edwin Bütikofer agiert als OK-Präsident. Der Anlass biete die Möglichkeit, zurückzublicken auf die vergangenen zwei Jahrzehnte. «Wir möchten der Bevölkerung bewusst machen, wie viel Engagement und Herzblut hinter dieser Infrastruktur steckt.» Vieles sei über die Jahre selbstverständlich geworden. «Doch nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in Zukunft wird Engagement nötig sein, um unsere Mehrzweckhalle in Schuss zu halten», sagt Edwin Bütikofer. Daran habe sich in all den Jahren nichts geändert. «Wir brauchen Freiwillige, die mitdenken, mitgestalten und mitanpacken.»

Irene Zemp-Bisang

 

 

Ein Fest mit vielen Highlights
Altbüron/Grossdietwil Die zwei Gemeinden Altbüron und Grossdietwil feiern das Jubiläum «ihrer» Mehrzweckhalle mit einem zweitägigen Fest. Am Freitag, 13. September, tritt der Mundartsänger «Kunz» auf. Er singt vor allem Lieder von seinem neusten Album «Förschi». Damit hat der gebürtige Luzerner Anfang 2019 zu neuen Höhenflügen angesetzt und die Hitparade gestürmt. Der Vorverkauf fürs Konzert läuft. Es gibt noch Tickets. Am Samstag, 14. September, stehen der Bevölkerung und Gästen die Türen offen. Um 16.30 Uhr ist ein Apéro geplant, um 18 Uhr ein Bankettessen (mit Voranmeldung). Der offizielle Festakt beginnt um 20 Uhr, verschiedene Vereine bieten eine Show, U23-Europameisterin Géraldine Ruckstuhl wird geehrt. SRF-Moderator und Ex-Bagatello Adrian Küpfer führt durchs Programm. Ab 22.30 Uhr Tanz und Unterhaltung mit «Grenzenlos». WB

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