Reste der Kapelle und Gräber entdeckt

Archäologen sind in Schötz am Werk. Foto Norbert Bossatt

Im Zuge der Abbrucharbeiten der Schötzer Dorfmetzgerei und des Schlachthauses sind archäologische Grabungen im Gang. Der WB erkundigte sich nach den ersten Funden.

Momentan ist eine achtköpfige Grabungscrew unter der Leitung von Jonas Maibach am Werk. Diese arbeitet geschützt in einem geheizten Festzelt. Grund der archäologischen Untersuchungen: Auf diesem Grundstück, auf dem ein Wohn- und Geschäftshaus entsteht, wurden bereits zu früheren Zeiten Mauern einer Kapelle und Gräber entdeckt. So im Jahr 1844, als das Grundstück ausgeebnet wurde, und im Zuge des Schlachthausbaus im Jahre 1954. Der beim Bau des Schlachthauses dokumentierte Grundriss der Kapelle ist bis dato unauffindbar. Zudem liess der Schötzer Johann Häfliger aufgrund seiner jahrelangen Forschungsarbeiten in unzähligen Archiven verlauten, dass dieses Areal «Teil und Zentrum von Scothis war, einem frühmittelalterlichen, irischen Kloster und das Zentrum der alten Pfarrei von Schötz bis ins 15. Jahrhundert» (der WB berichtete am 29. September darüber).

Die Kapelle und die Kloster-These

Nun ist die Luzerner Kantonsarchäologie auf die Fundamentgrube des östlichen Drittels der sogenannten «St.-Johannes-Evangelist-Kapelle» gestossen. Dies hielt Jürg Manser, leitender Kantonsarchäologe, auf WB-Nachfrage fest. «Unsere bisherigen Grabungsergebnisse decken sich weitgehend mit schriftlichen Überlieferungen.» Der westliche Teil der Kapelle sei beim Schlachthausbau gänzlich beseitigt worden, im östlichen Teil seien noch zwei unterschiedliche Bauphasen der Kapelle nachweisbar. Von der ersten sei der halbkreisförmige Chor deutlich erkennbar, der später einem grösseren, rechteckigen Altarshaus habe weichen müssen. Ebenfalls gefunden habe man Bruchstücke der einst abgebrochen Mauern, die von Wandmalereien zeugen. Zudem sind zahlreiche Gräber zutage gekommen. «Für Schötz und die Region sind diese Ausgrabungen von grosser Bedeutung», sagt Manser. «Die Kapelle war einst wichtiger Bestandteil von Niederschötz.» Bis zum Schötzer Pfarrkirchenbau (1875 bis 1879) gehörte Niederschötz zur Pfarrei Altishofen, der obere Teil des Dorfes zur Pfarrei Ettis-wil. Weisen die Funde auch auf eine einstige, irische Klosteranlage hin? «Wir haben keinerlei Hinweise gefunden, die darauf hindeuten», antwortet Jürg Manser. Was sagt Johann Häfliger zu dieser Feststellung: «Aufgrund meiner Forschungsergebnisse halte ich an meiner These fest. Ich hoffe nach wie vor, dass die weiteren Grabungen entsprechende Befunde liefern.»

Die Grabungsarbeiten sind weiterhin im Gang. Vorerst sind daher im Bereich der Untersuchungen keine Bauarbeiten möglich. Wie lange die Grabungen dauern, hänge von der Funddichte ab, insbesondere im Abschnitt des Friedhofes, sagt Jürg Manser. 

Tag der offen Ausgrabung

Die Bevölkerung hat am Samstag, 16. Dezember, 10 bis 16 Uhr, die Gelegenheit, die Ausgrabungsstätte zu besuchen.

Norbert Bossart

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